Männer können geheimnisvollen Frauen nicht widerstehen
Encyclopedic
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Distanz schafft Schönheit, Geheimnisvolles schafft tiefgründige Schönheit. Unter den vielen Eigenschaften, die Männer an Frauen anziehen – Schönheit, Niedlichkeit, Sinnlichkeit, Sanftheit, Geheimnisvolles – steht Geheimnisvolles zweifellos an erster Stelle.Ich bewundere „Schneeland“ sehr. In diesem herzzerreißend schönen Roman schafft Kawabata zwei auffallend unterschiedliche junge Frauen: die leidenschaftliche, offenherzige Kumiko und die geheimnisvolle, schweigsame Yoko – die eine verkörpert reine Schönheit, die andere melancholische Anmut.
Der männliche Protagonist, Shimamura, ein junger Tänzer, ist hin- und hergerissen zwischen seiner Zuneigung zu Kōko und seiner unausgesprochenen Bewunderung für Yōko. Obwohl Yōko nur selten in der Erzählung vorkommt, verfolgt sie Shimamuras Gedanken unerbittlich. Warum? Weil sie eine unbeschreibliche, tiefgründige Schönheit verkörpert – die Essenz der traditionellen ästhetischen Sensibilität Japans.
Der Roman beginnt damit, dass Shimamura an einem verschneiten Abend mit dem Zug in das verschneite Land reist. Er sitzt gelangweilt am Fenster und bemerkt plötzlich die Augen eines Mädchens, die sich im Glas spiegeln – sein erster Blick auf Yoko.
Die Anziehungskraft einer Frau liegt nicht in erster Linie in ihrer Schönheit, sondern in ihrer Geheimniskrämerei. Warum bevorzugen verliebte Männer oft Frauen mit wallendem Haar? Tiefschwarzes Haar bildet einen Schleier, der die Hälfte ihres Gesichts verdeckt und das Verlangen eines Mannes weckt, zu enthüllen, was darunter liegt. Umgekehrt fürchten viele Männer den Moment, in dem eine Frau nach der Heirat ihre Haare schneidet, an Gewicht zunimmt, zur Nörglerin wird und aufhört zu arbeiten.
Für Männer bleiben Frauen stets rätselhaft, eigenartig und unberechenbar – wie Katzen, wie Füchse. Wie sonst ließe sich erklären, dass alle bezaubernd schönen Frauen ausnahmslos als Fuchsgeister bezeichnet werden?
Solche Gegensätze führen zu einer weit verbreiteten Ambivalenz in den Gefühlen der Männer gegenüber Frauen: Einerseits fürchten sie, dass ihre Stärke usurpiert, ihr Reichtum an sich gerissen oder sie von der rätselhaften Anziehungskraft einer Frau – einem Abgrund ohne Boden – verschlungen werden. Dies zeigt sich besonders deutlich in der klassischen chinesischen Literatur, in der heroische Figuren oft als „frei von fleischlichen Begierden” dargestellt werden.
Denn Gefahr bedeutet Herausforderung und Nervenkitzel – man kann kein Tigerjunges fangen, ohne in sein Revier einzudringen. Zwei Frauen, die von Dämonen verfolgt und in die Enge getrieben wurden, trafen zufällig auf eine Göttin, die ihnen befahl, ihre Geschlechtsteile zu entblößen. Sie gehorchten, und die Dämonen flohen vor Schreck. Diese Geschichte ist bis heute überliefert und zeigt, wie sowohl in der chinesischen als auch in der japanischen Kultur die geheimste Region einer Frau unendliche tödliche Kraft besitzt.
Dies steht im Einklang mit Freuds Analyse in „Die Psychologie der Liebe“, in der er erklärt, warum Männer sich unwiderstehlich zu „gefährlichen, bösen Frauen“ hingezogen fühlen.
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